Appel

Im Gegensatz zu vielen andern Bereichen sind die Berufe der Sozialen Arbeit in der Schweiz nicht geschützt. Jede beliebige Tätigkeit kann sich in ihrer Bezeichnung auf die Soziale Arbeit beziehen. Die Berufsbezeichnungen sind nicht an eine bestimmte Ausbildung gebunden. Jede Person kann als SozialarbeiterIn, SozialpädagogIn, soziokulturelleR AnimatorIn usw. bezeichnet werden und sich so nennen. Es gibt kein Bundesgesetz über die Ausübung der Berufe der Sozialen Arbeit. Wenn Ausbildungsanforderungen bestehen, dann sind sie selten verbindlich und schreiben selten 100% ausgebildete Fachpersonen der Sozialen Arbeit vor. Aktuell verfügt die Hälfte der rund 100'000 in der Sozialen Arbeit angestellten Fachpersonen über keine entsprechende Ausbildung (IWSB, 2016). Dies ist unvorstellbar in ähnlichen Bereichen wie der Pflege oder der Schule.

 

Die heutige Situation ist für AvenirSocial problematisch und muss dringend korrigiert werden. Sie wirkt sich auf Tausende von Menschen und Familien aus, die sich aufgrund von schwierigen Lebenslagen wie Krankheit, Behinderung oder Armut an die Soziale Arbeit wenden. Fehlende Ausbildung beeinträchtigt die Qualität, Verlässlichkeit und Wirksamkeit der Leistungen der So-
zialen Arbeit. Sie verstösst gegen die Grundrechte der Leistungsempfängerinnen und

-empfänger und führt zu einer Vergeudung öffentlicher Gelder. Die Unklarheit hinsichtlich der Kompetenzen der Professionellen der Sozialen Arbeit erschwert die Zusammenarbeit in den Teams sowie zwischen den Einrichtungen. Nicht ausgebildete Personen können überfordert sein, da ihnen die grundlegenden Fachkenntnisse und professionellen Haltungen nicht vermittelt wurden.

 

 

Für AvenirSocial, den Berufsverband Soziale Arbeit Schweiz, ist es nicht mehr zeitgemäss, ohne spezifische Ausbildung in der Sozialen Arbeit tätig zu sein. Soziale Arbeit darf diesbezüglich nicht weiterhin als Sonderfall betrachtet werden. Heute kann Soziale Arbeit auf sämtlichen Bildungsstufen gelernt oder studiert werden. Jeder Abschluss öffnet den Zugang zu weiteren Ausbildungen. Die Anerkennung von früheren Bildungsleistungen und Erfahrungen erleichtern den Zugang zu den Ausbildungen.

AvenirSocial fordert, dass sämtliche in der Sozialen Arbeit tätigen Personen über einen entsprechenden (und nicht « gleichwertigen ») Berufsabschluss verfügen, auf welcher Stufe auch immer in einer ersten Phase. Es braucht ein Bundesgesetz über die Ausübung der Berufe der Sozialen Arbeit.

In einer nationalen Kampagne verlangt AvenirSocial von den politischen Instanzen auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene sowie den Leitungsgremien der Einrichtungen des Sozialwesens folgende Massnahmen zugunsten einer besseren Qualität der Leistungen der Sozialen Arbeit:

  • Es werden Personen mit einem Diplom in Sozialer Arbeit angestellt bzw. Personen, welche eine solche Ausbildung absolvieren;

  • Berufsbegleitende Ausbildungen werden gefördert;

  • Es werden genügend diplomierte Fachpersonen der Sozialen Arbeit ausgebildet und Passerellen und Ergänzungsprüfungen für Personen mit vorgängigen Ausbildungsleistungen und Erfahrungen anerkannt;

  • Es werden in allen Arbeitsfeldern Vorschriften erlassen, welche 100% ausgebildete Fachpersonen der Sozialen Arbeit vorschreiben.